Allgemeines zur Haltung

 

Meerschweinchen sind Rudeltiere und müssen deshalb immer mindestens zu zweit gehalten werden. EINZELHALTUNG IST TIERQUÄLEREI! Auch ein Kaninchen ist nicht der richtige Partner für ein Meerschweinchen. Jedes dieser Tiere braucht einen Artgenossen um glücklich zu sein.

 

 

 

Wer passt zu wem?

 

Optimal für die Liebhaberhaltung sind kleine Gruppen von mindestens 2, besser aber 3-4 Tieren (natürlich nur, wenn die erforderliche Käfig- bzw. Gehegegröße gegeben ist - mehr dazu weiter unten). Je mehr Tiere in einer Gruppe leben umso mehr ist zu beobachten, denn nur in Gruppen entfalten Meerschweinchen die volle Bandbreite ihres Sozialgefüges und man kann wirklich sehr viel beobachten und auch lernen.

 

Eine solche Gruppe kann sich zusammensetzen aus

 

1.) nur Weibchen, was in meinen Augen aber nur eingeschränkt empfehlenswert ist. Weibchen wollen ihr ganzes Leben lang die Rangordnung klären, d.h. rangniedere Mädels werden immer wieder versuchen, eine ranghöhere Position zu erlangen. Reibereien in reinen Weibchengruppen sind also immer wieder einmal gegeben, zumal die Mädchen auch alle 14-18 Tage brünstig werden und in dieser Zeit ihr Wesen komplett ändern können. Dies kann man nur verhindern, wenn man einen

 

2.) Kastraten in die Weibchengruppe integriert. Dieser wird dann die Chefposition einnehmen und für Ruhe und Ordnung innerhalb der Gruppe sorgen. Diese Form der Meerschweinchenhaltung ist nach meiner Ansicht die artgerechteste Form und gleichzeitig auch die Haltungsform in der am wenigsten mit Problemen zu rechnen ist.

 

Eine weitere Möglichkeit ist noch

 

3.) Böckchen-Duo oder -gruppe

Die Haltung von zwei oder mehreren Meerschweinchenböcken gestaltet sich bei Einhaltung einiger Regeln problemloser als man denkt. Immer noch findet man in Nachschlagewerken die veralteten Ansichten, dass man Böcke nicht zusammen halten kann. Dies ist wirklich nicht so und entsteht nur aus der Tatsache, dass mancher Autor wohl selbst nie Meerschweinchenhalter gewesen ist und in Unkenntnis der wirklichen Sachlage so manche Binsenweisheit einfach "abschreibt". Autoren von Meerschweinchen-Sachbüchern die selbst Erfahrung mit der Meerschweinchenhaltung haben, schreiben so etwas nicht.

  

Natürlich gibt es einige Punkte zu beachten und hier an erster Stelle steht die Überlegung ob man in Zukunft bei zwei Meerschweinchen bleiben möchte oder ob man nicht ausschließen kann, später noch mehr Tiere dazu setzen zu wollen. Dies würde in einem Böckchen-Duo nicht funktionieren. Im Idealfall nimmt man also einen älteren Meerschweinbock und einen Jungbock, die schon beim Züchter zusammen gelebt haben und sich kennen. Der Altersunterschied sollte mindestens 4-5 Monate betragen, so ist gewährleistet dass das dominante ältere Tier die Chefposition eingenommen hat und dies vom jüngeren Böckchen auch bereits akzeptiert wurde.

 Die Böcke gehen eine sehr enge Bindung ein und brauchen einander dann förmlich. Das im Käfig zurückgelassene Tier wird bei Trennung sofort seinen Partner suchen, deshalb sollte man die beiden dann auch niemals trennen, auch zu einem Besuch beim Tierarzt nimmt man beide Partner mit.

Problematisch wird es im Todesfall eines Böckchens. Erfahrungen zeigen, dass der verbliebene Bock ebenfalls trauert, möglicherweise sein Fressen einstellt und nur noch still in der Ecke sitzt, ja im schlimmsten Fall sogar verstirbt. Zu einem älteren (verwitweten) Bock kann man ganz ohne Probleme wieder in Jungböckchen (im alter zwischen 4-12 Wochen) dazusetzen. Jeder ältere Bock wird zu einem solchen Baby-Böckchen freundlich sein (bei Mädchen ist das nicht immer so!) und der jüngere Bock akzeptiert sogleich den Altbock als Chef.

 

 Keine Angst wenn es ein bisschen rumorig im Stall einhergeht. Ein gegenseitiges Beschnuppern und Jagen ist normal - auch beim Zusetzen eines gerade von der Mama abgesetzten Babyböckchens. Das kleine Böckchen hält schon die Annäherungen des Älteren aus und weiß sich in der Regel selbst zu helfen.

Ganz wichtiger Punkt für die reine Böckchenhaltung ist jedoch, dass keiner der Böcke jemals Kontakt zu Weibchen bekommt. Ein Böckchen, das einmal Kontakt zu einem Weibchen hatte, wird die Rolle des Alphabockes beanspruchen und heftige Kämpfe sind vorprogrammiert.

 

 Es funktioniert in aller Regel auch nicht, dass man Mädchengruppen (z.B. als Urlaubsbetreuung) im selben Zimmer beherbergt wie die eigenen Böcke - die schönsten Böckchenfreundschaften gehen daran kaputt.

Der Ehrlichkeit halber möchte ich noch anmerken, dass es auch hier (wenn auch ganz selten) Ausnahmefälle gibt. Vereinzelte Böcke sind so superdominant, dass sie sich nicht gleichgeschlechtlich vergesellschaften lassen und früher oder später die Bockpartnerschaft kippt. Jeder verantwortungsvolle Züchter wird aber gerne beraten und kann auch vor dem Kauf die Tiere schon recht gut einschätzen und beurteilen.

  

Es ist auch möglich, eine größere Böckchengruppe zu halten, dafür braucht man allerdings sehr viel mehr Platz als für eine reine Mädchen- oder gemischte Gruppe. Jedes Böckchen benötigt einen eigenen Unterschlupf und ausreichend Möglichkeiten sich auch mal aus dem Wege zu gehen, müssen vorhanden sein. Füttern sollte man größere Böckchengruppen dann auch in vielen kleineren Näpfen oder eben einfach die Pellets großzügig lose im Gehege (hier geht keine Käfighaltung) verteilen. Ungünstig sind nach meiner Meinung auch Dreier-Böckchengruppen, besser ist eine gerade Anzahl an Tieren.

 

Ein weiteres bestehendes Vorurteil dass Böcke mehr stinken als Weibchen kann ich eindeutig dementieren. DAS STIMMT NICHT! Eine ordentliche Käfig- /Gehegepflege sollte von Anfang an gegeben sein. Wenn es anfängt zu stinken, dann muss man eben saubermachen. Eher ist ein strengerer Uringeruch (geschlechtsunabhängig) ursächlich im gefütterten Frischfutter zu suchen, Stichworte hier sind Löwenzahn usw.(Bei unkastrierten älteren Böcken sollten auch regelmäßig die Perinaltaschen gereinigt werden.Dann kann kein Geruch anhand der Böcke enstehen) 

 

4.) die gemischtgeschlechtliche Haltung ("ach ich möchte doch gerne mal einen Wurf haben")

Grundsätzlich ist nichts dagegen zu sagen, WENN:

  

... man sich vorher genau informiert hat, die Meerschweinchenzucht unterliegt biologisch begründeten strengen Verpaarungsintervallen und bei Unkenntnis spielt man mit dem Leben des Muttertieres und der Babys.

 

... man genau weiß wohin mit dem Bock wenn er gedeckt hat, denn er kann nicht bei dem Muttertier bleiben sie würde sofort nach der Geburt ihrer Babys erneut von ihm gedeckt werden, er soll aber auch nicht über mehrere Wochen alleine sitzen müssen! Ich selbst leihe keine Zuchtböcke aus und verleihe auch meine Böcke an niemanden, wer Nachwuchs haben möchte muss auch den Platz und die passende Gesellschaft für einen Zuchtbock bereitstellen können.

  

...man sich im Vorfeld überlegt hat, was man mit den Babys tun möchte. Kann man im Zweifel alle behalten? Ist genug Platz vorhanden für einen 5er Böckchenwurf? Denn das könnte passieren man darf nicht davon ausgehen, dass nur Mädchen geboren werden die dann bei ihrer Mama verbleiben können.

  

...man bereit ist, notfalls auch mitten in der Nacht mit dem Schweinchen zum Tierarzt zu fahren weil Geburtsprobleme auftreten, eventuell ein Kaiserschnitt notwendig wird der dann auch entsprechend teuer wird. Kann und möchte man das Geld für eine optimale Versorgung des Tieres aufbringen?

 

...man mit offenen Karten gespielt hat und bereits beim Kauf der Tiere dem Züchter von seinen Plänen erzählt hat. Es gibt verschiedene Aspekte in der Meerschweinchenzucht aufgrund derer der Züchter manches Tier eben nicht für seine Zucht behält sondern auf die Abgabeseite setzt. Ist man dann nicht offen und ehrlich und kauft bei Züchter A einen Bock und bei Züchter B ein oder zwei Mädchen die genetisch nicht zusammen passen, können Missbildungen bei Jungtieren auftreten um nur eines der Probleme zu nennen.

 

Diese Liste könnte ich nun sicher noch fortführen, jeder Züchter kann ein Lied davon singen was so alles passieren kann und wie teuer so mancher Tierarztbesuch schon geworden ist. Ich möchte hier niemandem den Spaß an der Sache verderben, sondern nur ausreichende Informationen für eine verantwortungsvolle Entscheidung bereitstellen.

 

Der Käfig/Stall und die Erstausstattung

 

 

Der Käfig für zwei Tiere sollte die Größe von 1,50 m x 0,60 m nicht unterschreiten (größer geht natürlich immer). Wer ein wenig handwerkliches Geschick hat, kann auf einen handelsüblichen Käfig getrost verzichten und einen schönen Eigenbau zimmern, diverse Beispiele und Bauanleitungen sind im Internet zu finden. Der Käfig sollte nicht direkt an der Heizung stehen und auch Zugluft ist für Meerschweinchen ungesund und gefährlich.

In den Käfig/Gehege gehören Unterschlupfmöglichkeiten bzw. Häuschen die mindestens 2 Eingänge haben sollten. So kann man vermeiden dass es zu Unstimmigkeiten kommt, wenn ein Tier im Haus sitzt und der einzige Eingang von einem anderen blockiert wird. Eine Heuraufe die immer mit Heu gefüllt sein soll gehört ebenso dazu wie ein Wassernapf/-flasche und ein Futternapf.

 

Die Ernährung

Meerschweinchen können wie wir Menschen auch kein Vitamin C selbst bilden und müssen dies deshalb über das Futter bekommen. Frischfutter muss also das ganze Jahr über gegeben werden, z.B.

..Gras

..Löwenzahn

.. Karotten

..Salatgurke

..Paprika (ohne Stil, der ist giftig)

..Tomate (ohne Grün dran, giftig)

..Salat (keinen Kopfsalat wegen zu hohem Nitratgehalt, aber Endivien, Eisberg, Chicorée, Romana, Chinakohl, Feldsalat)

..Apfel (ohne Kerne, die enthalten Blausäure)

..Rote Beete (frisch nicht aus dem Glas)

..Sellerie (Staude und Knolle)

..Petersilie

..Topinambur (Blätter und Knolle)

..Mangold

..Klee, nur in Maßen (nach der Blüte)

..Sonnenblumen (ganze Blume mit Stiel und Blättern)

..Birne (nur als Leckerli)

..Banane (nur als Leckerli)

..Erdbeeren

..Orangen (nicht zu viel wegen Säuregehalt)

..Weintrauben

..Futterrüben (keine Zuckerrüben!)

..Ringelblumen

..diese Liste ist unvollständig, aber auch da findet man im Internet weitere Informationen.

 

Außerdem zur Zahnabnutzung gelegentlich frische Zweige von ungespritzten Obstbäumen, Birke, Weide, Haselnuss oder Tanne.

 

Auf keinen Fall füttern darf man:

.. Aubergine (enthält Solanin)

..Avocado (giftig für Tiere)

..Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen, Bohnen (blähend)

..Steinobst (blähen in Verbindung mit Wasser, Steine enthalten Blausäure)

..Rhabarber (enthält Oxalsäure)

..Rettich/Radieschen (blähend)

.. Kohl (Wirsing, Rotkohl, Weißkohl, Rosenkohl usw. wirkt blähend)

.. Zwiebelgewächse (Schnittlauch, Lauch, Knoblauch, Zwiebeln) blähen und enthalten unverträgliche Substanzen.

 

UND NICHT VERGESSEN: TÄGLICH FRISCHES WASSER!!!